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Versicherers eigenes Honorar-Tableau zählt nicht: AG Duisburg-Hamborn weist Regressklage gegen Sachverständigen ab

von Samy Hamideh 01.06.2026 📍 AG Duisburg-Hamborn

⚖️ Urteilsdetails

GerichtAG Duisburg-Hamborn
Datum25.02.2026
Aktenzeichen23 C 292/25
Durchschnittswerte aus einem vom Versicherer selbst erstellten Tableau sind kein geeigneter Maßstab für die ortsübliche Vergütung eines Kfz-Sachverständigen. Was der Versicherer für angemessen hält, stimmt nicht notwendigerweise mit der ortsüblichen Vergütung überein und ist daher nicht entscheidungserheblich.

Versicherer verfügen über umfangreiche Schadendatenbanken und werten diese gezielt aus, um Honorarforderungen von Sachverständigen angreifen zu können. Ein aktuelles Urteil des AG Duisburg-Hamborn zeigt, wo die rechtlichen Grenzen dieser Strategie liegen.

Der Sachverhalt: Regressklage nach vollständiger Erstattung

Ein großer Haftpflichtversicherer hatte die Kosten eines Kfz-Schadengutachtens zunächst vollständig erstattet. Im Anschluss klagte er gegen den Sachverständigen auf Rückzahlung eines Teils des Honorars. Zur Begründung des Rückforderungsanspruchs verwies er auf Durchschnittswerte, die er aus über 500.000 Schadensfällen pro Jahr erfasst und in einem regelmäßig aktualisierten Tableau zusammenstellt. Dieses Tableau, so der Versicherer, werde von zahlreichen Sachverständigenbüros als Abrechnungsgrundlage akzeptiert und spiegele damit wider, was im Markt für angemessen gehalten werde.

Die Entscheidung: Versicherungseigene Werte sind kein Rechtsmaßstab

Das AG Duisburg-Hamborn ließ diese Argumentation nicht gelten und wies die Klage ab. Das Gericht formulierte klar: Es ist nicht ersichtlich, aus welchem Rechtsgrund die Durchschnittswerte, die der Versicherer – offenbar bundesweit – ermittelt und für erforderlich hält, für die Beurteilung der vereinbarten Vergütung maßgeblich sein sollten.

Dieser Satz trifft den Kern des Problems präzise. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen zwei Kategorien:

Beide Kategorien können übereinstimmen – müssen es aber nicht. Und genau das hat der Versicherer im vorliegenden Fall nicht belegt.

Der entscheidende Mangel: Fehlender konkreter Vortrag

Der Versicherer hatte nicht substantiiert dargelegt, dass die zwischen dem Sachverständigen und dem Geschädigten vereinbarte Vergütung die ortsüblichen Preise überschreite. Ein pauschaler Verweis auf ein intern gepflegtes Tableau reicht dafür nicht aus. Das Gericht konnte daher nicht feststellen, dass die vereinbarte Vergütung unzulässig hoch war – und wies die Klage vollständig ab.

Was das Urteil für Sachverständige und Anwälte bedeutet

Das Urteil des AG Duisburg-Hamborn ist ein wichtiger Baustein in der Abwehr von Regressversuchen der Versicherungswirtschaft gegen Kfz-Sachverständige. Die zentralen Schlussfolgerungen:

Hintergrund: Der systematische Charakter dieser Regressversuche

Das beschriebene Vorgehen ist kein Einzelfall. Mehrere große Haftpflichtversicherer setzen intern entwickelte Honorartableaus ein, um Sachverständigenhonorare systematisch zu reduzieren. Das Urteil des AG Duisburg-Hamborn setzt diesem Ansatz rechtliche Grenzen und macht deutlich: Ein selbst erstelltes Regelwerk, das die eigene Kostensenkung zum Ziel hat, kann nicht als objektiver Maßstab für die Angemessenheit von Marktpreisen dienen.

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Samy Hamideh → Profil
12 Jahre lang Kfz-Meisterbetrieb in Karlsruhe und Ettlingen, danach nur noch Kfz-Sachverständiger und Inhaber von BESA Kfz-Gutachter e.K. in Karlsruhe & Region. Als Gründer von LOCAL PRO und kfz-unfallapp.de kenne ich die Unfallschadenabwicklung von beiden Seiten: aus dem Gutachterbüro und aus der Systementwicklung. Mehr als ein Jahrzehnt Sachverständigenpraxis schärft den Blick für das, was Versicherungen tun – und was Geschädigte dagegen tun können.
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